Forschung,
Gespräche und Visionen
Die Internationale Walter Benjamin
Gesellschaft verfolgt den Zweck, Forschungen zu Leben und Werk Walter Benjamins
zu unterstützen und zu diskutieren, die sich mit dem kreativen und visionären
Potential seiner Werke und seiner wegweisenden Sicht der Moderne
auseinandersetzen.
Wir möchten Sie einladen mit uns das
kritische Denken wach zu halten in Auseinandersetzung mit dem Werk des
Philosophen und Literaturkritikers:
Walter Benjamin
Wir informieren über Institutionen,
Gesellschaften, Vereine, Stiftungen, Projekte, Veranstaltungen und
Forschungsliteratur
Wir wollen die interdisziplinäre Kommunikation fördern und stellen
ein Forum für Gedankenaustausch zur Verfügung.
Sie finden hier wissenschaftliche Texte zu Leben und Werk Walter Benjamins.
Sie haben die Möglichkeit, auf diesen Seiten selbst zu publizieren.
Ihre Beiträge stehen so einer internationalen Leserschaft zur Verfügung.
Auf Ihre Unterstützung sind wir angewiesen, damit sich diese Seiten
kontinuierlich weiter entwickeln.
Für Ihre Texte, Rezensionen, Eigendarstellungen von Institutionen und
Initiativen sowie für Hinweise auf Veranstaltungen sind wir dankbar.
Aktuelles
Walter Benjamins 'Treue' – true to Walter Benjamin?
Gemeinsame Tagung der International Walter Benjamin Association und
der Internationalen Walter Benjamin Gesellschaft in Antwerpen vom 14.
bis zum 17. September 2009
Benjamins Schriften haben ein erstaunliches Nachleben. Auch nachdem die
heftigen Deutungskämpfe um sein Werk sich gelegt haben, sind seine Texte
aktuell geblieben. Stellt sich die einst so heiß diskutierte Frage, wie
man Benjamin ‚gerecht‘ werden könne, immer noch in anderer Form, oder ist
seine Lektüre heute beliebig geworden? Und wie kann man die polarisierende
Kraft seiner Texte und den sich daraus ergebenen Richtungsstreit der
Vergangenheit selbst beschreiben? ‚Treue‘ ist freilich ein allzu gewichtiges
und unheimlich ‚deutsches‘ Wort – aber gerade dadurch adressiert es die
Paradoxien der Tradition, denen auch Benjamins Werk anheimgefallen ist,
und in denen sich Treue und Verrat oft nicht unterscheiden lassen.
Die Dialektik solcher Rezeptionsprozesse war Benjamin ebenso vertraut wie die
Ironien der Treue. Seine Theorie der Kritik wie seine kritische Praxis leben
aus dem paradoxen Impetus, etwas zu bewahren um es zu zerstören und umgekehrt.
Benjamin blieb seinen Gegenständen, seinen intellektuellen Orientierungen und
sogar seinen Formulierungen treu, um sie in die je neue Konstellation des
Denkens einzubringen. Die Treue der Wörtlichkeit in der Übersetzung, die Treue
zu den Dingen (einem Nachmittag, einem Baum, einem Sonnenflecken), die Praktiken
des Sammeln und Sicherns, aber auch der Gestus der Kontemplation und ihrer
„hoffnungslosen Treue zum Kreatürlichen“ prägen seine theoretische Haltung nicht
weniger als die der Konstruktion, Destruktion und Moritfizierung.
Heute, angesichts des anhaltenden Interesses an Benjamin und der immer breiter
sich ausdifferenzierenden Forschung gilt es, auf diesen Materialbezug ebenso zu
bedenken wie auf den Bezug der eigenen Lektüre zu ihrem Gegenstand. Soll man heute
Benjamins Texte sichern oder popularisieren, soll man seine Gedanken ‚weiterdenken‘
oder gegen den Strich lesen, sie historisieren, oder sie in die Gegenwart übertragen
und ‚anwenden‘? Die Frage nach der Treue Benjamins und der Treue zu Benjamin bedeutet
mehr als die vermeintlich objektive Frage nach einer ‚angemessenen‘ Lektüre – sie
fragt nach dem eigenen Ort und der Gegenwart des Lesens und zwingt, die eigenartige
Attraktion wie Abwehr der eigenen Lektüre gegenüber Benjamin zu reflektieren.
Die Sektionen:
Sektion 1: Benjamin-Legenden (Detlev Schöttker)
Sektion 2: Materialität des Schreibens (Davide Guiriato)
Sektion 3: Treue zum Barock (Jane Newman)
Sektion 4: Kunst Wissen (Sabine Flach)
Sektion 5: Buchstaben-Treue (Bettine Menke)
Sektion 6: Verräterische Treue zum Zitat (Gerhard Richter)
Sektion 7: Nachgelassenes Schreiben (Burkhardt Lindner)
Sektion 8: Treue, Politik und Fetischisierung (Jeanne Marie Gagnebin)
Sektion 9: Popular Benjamin (Justus Fetscher)
Sektion 10: Korrespondenzen (Momme Brodersen)
Sektion 11: Treulose Geschichte (Paul North)
Sektion 12: Übersetzungen und Umschreibungen (Karl Solibakke)
Sektion 13: Religion, Theologie und Eingedenken (Vivian Liska, Daniel Weidner)
Vgl. die detaillierte Beschreibung unter http://benjamin-association.de/german/tagung und
http://zfl.gwz-berlin.de/veranstaltungen/veranstaltungen//_/316/?cHash=0cb49f6c2c
International Conference "Benjamin’s Frontiers" in Davis CA from 12 to 14 November 2008
conducted by a consortium comprised of the University of California at Davis, the Heinrich Heine Universität
Düsseldorf, the Zentrum für Kunst und Medientechnologie, the Institute for
Jewish Studies at the University of Antwerp and the Goethe Institute (Los
Angeles)
1. Benjamin Beyond Europe
Although Benjamin is considered to be a Eurocentric author, who resisted leaving
the continent until it was too late, he has become a global figure with an international
following. The conference intends to investigate Benjamin’s influence outside of Europe.
Above all, we expect to explore and document the response to the author’s works in
North and South America as well as in the Asian-Pacific area.
2. Transcriptions: Benjamin, the Media and Visual Culture
Since the 1970s Benjamin’s legacy has provided significant impulses for the development
of media theory and the history of new media. While his views on the written word and
literature form the central axis of his theoretical models, he also provides valuable
perspectives on the development of the media and the implications they have for a
global network. These perspectives should be reconsidered with regard to their
relevance for media theory in the 21st century.
Similarly, Benjamin’s writings have been a source of inspiration for the visual
arts during the latter third of the 20th century. The importance of his aesthetics
of images and the significance his theoretical approach has for the visual arts
assume a central role in the conference agenda.
3. Transforming the Present, Models for the 21st Century
The response to Benjamin’s works is often characterized by a number of divergent
and contradictory paradigms: Benjamin … the Marxist, the Jewish mystic,
the philosopher of language, the media theoretician, etc. The issues to be addressed
here involve the frontiers of intellectual thought that can be traced back to Benjamin’s
works and that confirm his influence on global cultural models at the outset of the 21st
century.
Tagungsprogramm Davis
Weitere Informationen sowie das Programm der Tagung entnehmen Sie bitte der
Internetseite der University of California, Davis
http://langlit.ucdavis.edu/home/grichter/
Who killed Walter Benjamin... - ein Dokumentarfilm von David Mauas zu den letzten Stunden
im Leben Walter Benjamins
Synopsis
Portbou, 1940. Am 25 September, nach sieben Jahren des Exils, durchquert
Walter Benjamin die Pyrenäen in einem verzweifelten Versuch, den Nazis zu entkommen.
Laut offizieller Version gelingt es Walter Benjamin, die französisch-spanische Grenze
erfolgreich zu passieren. Als er jedoch in dem katalanischem Ort Portbou ankommt,
verhindert eine unerwartete Änderung der spanischen Gesetzgebung die Einreise auf die
Halbinsel.
Benjamin sieht sich gezwungen, in einem Gasthaus in Portbou zu übernachten: dies unter
strenger Aufsicht dreier Polizisten, die den Befehl haben, ihn am folgenden Morgen nach
Frankreich zu deportieren. In derselben Nacht beginnt für Benjamin eine Agonie, die
vierundzwanzig Stunden später mit seinem Tode endet. Laut den ihm Nahestehenden handelt
es sich um Selbstmord. Der Bericht des ortsansässigen Arztes bescheinigt den Tod
allerdings als einen natürlichen und Benjamin wird nach katholischem Brauch auf dem
städtischen Friedhof unter falschem Namen beerdigt.
Verheimlichte der Arzt die wahre Todesursache? Hatten die spanischen Behörden Kenntnis
von der Bedeutung dieses Reisenden? Wusste Benjamin, dass Portbou ein Grenzort war, der
erst kürzlich von den Frankisten eingenommen wurde und damit indirekt von den deutschen
Nazis besetzt war?
Who killed Walter Benjamin... sucht nach Antworten auf die zweifelhaften Umstände
seines Todes. Gleichzeitig entwirft der Film ein Porträt eines Grenzortes, verankert
zwischen zwei Fronten, steter Zeuge von Fluchten, Verfolgungen und falschen Hoffnungen.
www.whokilledwalterbenjamin.com
Publikationen
I Walter Benjamin und das Exil, hg. von Bernd Witte
„So müssen wahrhafte Erinnerungen viel weniger berichtend verfahren
als genau den Ort bezeichnen, an dem der Forscher ihrer habhaft wurde.
Im strengsten Sinne episch und rhapsodisch muß daher wirkliche Erinnerung
ein Bild zugleich von dem der sich erinnert geben,wie ein guter archäologischer
Bericht nicht nur die Schichten angeben muß, aus denen seine Fundobjekte stammen,
sondern jene andern vor allem, welche vorher zu durchstoßen waren.“
Walter Benjamin
Heimat Exil – Exil Heimat?
Der vorliegende Band versammelt die Beiträge zweier in Zürich und Düsseldorf
abgehaltener Symposien, die in philologischer wie philosophischer Hinsicht Walter
Benjamins Exilwerk aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und das Exil als
Ursprungsort des kulturellen Gedächtnisses der Moderne beschreiben.
Mit Beiträgen von Rolf Goebel, Irène Heidelberger-Leonard,
Henriette Herwig, Astrid Deuber-Mankowsky, Claas Morgenroth, Claudia Öhlschläger,
Karl Solibakke, Peter Weibel und Bernd Witte.
Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg, 2006
II Topographien der Erinnerung, hg. von Bernd Witte
Text:
Orte entstehen aus einem Geflecht von Beziehungen und umfassen Übergangsräume und Passagen,
die Schwellenbereiche markieren. Die Frage nach der Topographie als Gedächtnisort ist eine nach
den Einschreibungen und Wiedereinschreibungen von Beziehungen, die dem Raum alte und neue
Bedeutungen zuschreiben. In seinem unvollendeten Passagen-Werk setzt sich Walter Benjamin mit
Großstadträumen auseinander, die er als Topographien der Erinnerung begreift.
So gruppieren sich die Themen dieses Tagungsbandes, der auf das Kolloquium „Topographien
der Erinnerung/Topgraphie du Souvenir“ zurückgeht, abgehalten vom 13-15 Juni 2006 in Paris,
um die Vorstellung von Orten, Ortsbeschreibungen und Gedächtnisorten, die als Topographien der
Erinnerung gelten.
Mit Beiträgen u.a. von Vittoria Borsò, Heinz Brüggemann, Andrea von Hülsen-Esch,
Burkhardt Lindner, Gérard Raulet, Willem van Reijen, Bernd Witte, Erdmut Wizisla und
Irving Wohlfarth.
Publikation voraussichtlich Oktober 2008 im Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg
III Politics and Messianism: Kabbalah, Benjamin, Agamben, hg. von Vittoria Borsò, Vivian Liska,
Bernd Witte
Der Band „Politics and Messianism: Kabbalah, Benjamin, Agamben“ versammelt die Beiträge
zweier Tagungen, die im November 2005 in der Kunstsammlung NRW und im Mai 2006 an der
Universität Antwerpen stattfanden. Die erste erkundete den Beitrag der Theorien Walter Benjamins
und Giorgio Agambens zum politischen Denken im 21. Jahrhunderts. Die zweite Tagung erweiterte
und konkretisierte diese Fragestellung, indem sie frühere und neuere Konzeptualisierungen des
Bezugs von Messianismus und Gesetz als Problematisierung politisch-theologischer Theorie zur
Diskussion stellte.
„Politics and Messianism: Kabbalah, Benjamin, Agamben“ is a collection of papers presented
at the Heinrich-Heine University of Düsseldorf in November 2005 and at the University of Antwerp
in May 2006. The first of these conferences explored Walter Benjamin’s and Giorgio Agamben’s
contributions to political discourse in the 21st century. The second conference focused on both
past and current approaches to the close relationship between messianism and the law, reflecting
on the politico-theological theories of Benjamin, Agamben and other 20th century thinkers.
Mit englisch- und deutschsprachigen Beiträgen von Giorgio Agamben, Vittoria Borsò, Micha Brumlik,
Lieven De Cauter, Astrid Deuber-Mankowsky, Eva Geulen, Boris Groys, Moshe Idel, Vivian Liska,
Claas Morgenroth, Karl Solibakke, Sigrid Weigel, Bernd Witte
und Frieder Otto Wolf.
Publikation voraussichtlich Februar 2009 im Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg
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